Donnerstag, 30. April 2020

In a town don't taste like it used to

"Ich entziehe einem Volk das Vertrauen, das glaubt, totale Durchleuchtung schade nur dem, der etwas zu verbergen hat. 
Ich entziehe dem allgemeinen Wohl das Vertrauen, weil es Selbstbestimmtheit als untragbaren Kostenfaktor sieht. 
Ich entziehe einer Politik das Vertrauen, die ihre Popularität allein auf das Versprechen eines risikofreien Lebens stützt. 
Ich entziehe Eltern das Vertrauen, die ein Baumhaus "Verletzungsgefahr" und ein Haustier "Ansteckungsrisiko" nennen."

          -Juli Zeh in "Corpus Delicti - Ein Prozess" 

UFF - was für ein Buch! Verstörend und deprimierend zu lesen in diesen Zeiten und wohl auch sonst. 
Aber durchaus sehr gut und erwähnenswert, empfehlenswert, diskutierenswert. Cranke times sind das.

So...what to do and where to go? Ich so: Yoga praktizieren, mein Handy anstarren, Masken nähen, telefonieren und dabei nichts Neues zu erzählen haben, Möhrenkuchen backen, meine Eltern erziehen, vergeblich nach Inspiration suchen, mich um Erwachsenendinge wie die Krankenkasse kümmern, aufs Erwachsenenleben warten, Zeitung lesen, denken ich würde nicht genug Nachrichten konsumieren, mich über die Nachrichten aufregen, Fahrradtouren machen, mich unbedeutend fühlen, dem Schweigen meiner Eltern lauschen und mitmachen, durch den Regen joggen und mich über Schnecken und die feuchte freshe Frühlingsair freuen... Wow diese Alliteration ist der derzeit einzige Höhepunkt meines Schriftsteller-Daseins. 
Sitze hier unter der Käseglocke, neben mir mein Leben, verpackt in Kartons. Wir warten darauf, dass es weitergeht. Aber wohin überhaupt? Und ist das nicht eigentlich auch superegal? Wünschte ich wäre "not done yet". Ich fürchte aber ich bins. 







Mittwoch, 18. März 2020

Apokalypse

Impressionen des Untergangs

"Viktoria, du kannst immer in die Matschpfütze springen, IMMER... aber HEUTE NICHT!", keift die Mutter hysterisch ihr Kind an, das die Welt nicht mehr versteht und nun heulend unter den Arm geklemmt wird. 

"NUR EINE ROLLE KLOPAPIER PRO PERSON! JEDER HAT DAS RECHT AUF KLOPAPIER!" 
Durchsage per Lautsprecher bei Budni.  

Habe noch nie so viele Menschen draußen spazieren gehen, joggen, Sport machen, ihre Kinder und Hunde ausführen sehen wie in den letzten paar Tagen. Sehe in meiner Nachbarschaft auf einmal Leute, die ich in den drei Jahren, die ich hier wohne, noch nie gesehen habe, weil sie offenbar immer nur arbeiten. 
Der Supermarkt ist zu jeder Tageszeit ausgesprochen gut besucht, die Konsumenten drängen sich auf engem Raum aneinander vorbei, einige offenbar sorglos, andere mit Handschuhen und Maske bewaffnet und peinlich darauf bedacht, den Sicherheitsabstand von 1-2m zu wahren.
Dagegen hat sich der Baumarkt nach Schließung der Clubs und anderen öffentlichen Räumen zum neuen place-to-be entwickelt. Hier stehen die Leute nun Schlange und der Türsteher lässt jeweils nur eine bestimmte Anzahl von Leuten rein.  
MitbewohnerInnen und andere zusammenlebende Individuen gehen sich auf den Sack, die Meinungen auseinander, es wird den ganzen Tag nur über DAS EINE gesprochen. 
Freiheitsentzug oder berechtigte Sicherheitsmaßnahmen? Mainstream-Medien oder schnell als Verschwörungstheoretiker verurteilte Andersdenker? Wem soll man glauben? Was darf man noch sagen? 
Fest steht: Die Situation nervt! Also zurzeit ist es ja noch ganz witzig... Aber auf Dauer hatte ich eigentlich andere Pläne als zuhause rumzuhocken und mich mit Stifte anspitzen und Wollmäuse züchten zu beschäftigen. 

                      Bildergebnis für hamsterkäufe



Dienstag, 12. November 2019

Rumliegen sich nicht bewegen können oder reden

Was ich heute alles ganz cool fand:

1.Gender fluid sein wie Bill Kaulitz

2.Den Himmel und die Weite hinter der Stadt

3.Tagträume haben von meinem Lehrer und nachts Musikvideos träumen

4.Das Album "I am easy to find" von The National

5. Dick Gitarre jammen

Die Zeiten ändern sich und irgendwann wird alles umgedreht. Irgendwann stehen wir vielleicht mal auf der anderen Seite. Achja das Leben. I love it



Donnerstag, 16. Mai 2019

Puppentheater

Rollen spielen, um zu bestehen 
als wäre das hier ne Scheiß-Aufnahmeprüfung für eine Schauspielschule
lächelnd, nickend, ja sagend
verbringe ich die Tage 

obwohl ich euch allen am liebsten ins Gesicht kotzen würde
weil ihr's auch noch ernst meint, was ihr macht
oder ihr verlernt habt, drüber nachzudenken


Mittwoch, 6. Februar 2019

Entspannungsmusik

Sitze auf dem Festerbrett und lackiere mir die Nägel weinrot. Draußen regnet es grau in die Pfützen.
Dazu höre ich die "Entspannungsmusik"-Playlist bei Spotify, deren Titel Namen tragen wie "All is not lost" oder "No arguments" und die sich ebenso dramatisch anhören. So wie in den Filmszenen, wo eine verlassene Frau am Fester sitzt, sich die Nägel lackiert oder und ins trübe Regennass starrt und ihre Gedanken sehnsuchtsvoll abschweifen, hin zu besseren Tagen, wild romantischen Picknicks in Sommerkleidern oder so.
Allerdings bin ich nicht verlassen worden. Höchstens von allen guten Geistern...
Kennt ihr das, wenn ihr selbst euch an Gesichter und Namen von Leuten verhältnismäßig gut erinnern könnt (ich sage verhältnismäßig, dachte aber dass es ganz normal wäre), die anderen Leute sich aber nicht an euch? Frage mich dann immer, ob es daran liegt, dass ich so langweilig und unbedeutend bin/aussehe oder daran, dass mein Gedächtnis einfach überdurchschnittlich ist und das der anderen Leute nicht. Ohne Witz, selbst nach mehreren Jahren kann ich mich an die Gesichter von Leuten erinnern, selbst wenn ich mit ihnen nicht besonders viel zu tun hatte.
Vor einiger Zeit saß mir Steven aus dem Kindergarten gegenüber (unsere Kindergartenzeit ist jetzt ca. 20 Jahre her), ich hab sein Gesicht sofort erkannt (er sah viel attraktiver aus als damals), wenig später fiel mir auch sein Name ein und dass er früher ein Unruhestifter war, vor dem alle Angst hatten... Ihn ansprechen allerdings konnte ich natürlich nicht, denn wie stalkermäßig wäre das denn gewesen?
"Hi, du bist doch Steven, kennst du mich noch? Wir waren zusammen im Kindergarten", er hätte mir wahrscheinlich n Vogel gezeigt bzw. wäre es zu einer unangenehmen Situation gekommen.
Deswegen spreche ich Leute nicht mehr an, die ich mal gekannt hab und das ist ja eigentlich auch blöd.
Merke gerade, dass die Playlist keine ist und nur die beliebtesten Entspannungshits beinhaltet... Das gibt mir irgendwie zu denken.
Eine weitere wichtige Frage: Wie bekommt frau es hin, die Nägel nach dem Lackieren ordnungsgemäß trocknen zu lassen? Ich muss ungefähr 30 sek nach dem Lackieren dringend auf Klo oder aber widme mich einer vermeintlich nägelschonenden Tätigkeit wie lesen oder im Bett liegen (wird meistens zu langweilig). Es ist schlichtweg unmöglich, aber Tippen geht wie ich gerade bemerke.
Genug meditiert, ich schreite jetzt mal zur Tat und befolge die To-Do-List:

-Biomüll raus
-Anti-Schimmel-Farbe im Baumarkt kaufen (ja, ich wohne in einer Gammelbude)
-Vorstellungsgespräch-Termin vereinbaren
-Bad putzen
-Suppe kochen
-Kuchen backen
-vlt zur Bücherhalle, Bücher zum Thema "Basteln mit Senioren" ausleihen (ja, ich bastel mit Senioren)

Spießiger geht's wohl echt nicht... Naja, vielleicht ziehe ich irgendwann ja in den Busch, die Zivilisation langweilt mich gerade. Irgendwann gibt's aber kein Entkommen mehr, ich merke wie ich immer mehr in ihren lähmenden Bann des Alltags reingezogen werde. Irgendwelche Tipps für mich?
Lg