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Mittwoch, 6. Februar 2019

Entspannungsmusik

Sitze auf dem Festerbrett und lackiere mir die Nägel weinrot. Draußen regnet es grau in die Pfützen.
Dazu höre ich die "Entspannungsmusik"-Playlist bei Spotify, deren Titel Namen tragen wie "All is not lost" oder "No arguments" und die sich ebenso dramatisch anhören. So wie in den Filmszenen, wo eine verlassene Frau am Fester sitzt, sich die Nägel lackiert oder und ins trübe Regennass starrt und ihre Gedanken sehnsuchtsvoll abschweifen, hin zu besseren Tagen, wild romantischen Picknicks in Sommerkleidern oder so.
Allerdings bin ich nicht verlassen worden. Höchstens von allen guten Geistern...
Kennt ihr das, wenn ihr selbst euch an Gesichter und Namen von Leuten verhältnismäßig gut erinnern könnt (ich sage verhältnismäßig, dachte aber dass es ganz normal wäre), die anderen Leute sich aber nicht an euch? Frage mich dann immer, ob es daran liegt, dass ich so langweilig und unbedeutend bin/aussehe oder daran, dass mein Gedächtnis einfach überdurchschnittlich ist und das der anderen Leute nicht. Ohne Witz, selbst nach mehreren Jahren kann ich mich an die Gesichter von Leuten erinnern, selbst wenn ich mit ihnen nicht besonders viel zu tun hatte.
Vor einiger Zeit saß mir Steven aus dem Kindergarten gegenüber (unsere Kindergartenzeit ist jetzt ca. 20 Jahre her), ich hab sein Gesicht sofort erkannt (er sah viel attraktiver aus als damals), wenig später fiel mir auch sein Name ein und dass er früher ein Unruhestifter war, vor dem alle Angst hatten... Ihn ansprechen allerdings konnte ich natürlich nicht, denn wie stalkermäßig wäre das denn gewesen?
"Hi, du bist doch Steven, kennst du mich noch? Wir waren zusammen im Kindergarten", er hätte mir wahrscheinlich n Vogel gezeigt bzw. wäre es zu einer unangenehmen Situation gekommen.
Deswegen spreche ich Leute nicht mehr an, die ich mal gekannt hab und das ist ja eigentlich auch blöd.
Merke gerade, dass die Playlist keine ist und nur die beliebtesten Entspannungshits beinhaltet... Das gibt mir irgendwie zu denken.
Eine weitere wichtige Frage: Wie bekommt frau es hin, die Nägel nach dem Lackieren ordnungsgemäß trocknen zu lassen? Ich muss ungefähr 30 sek nach dem Lackieren dringend auf Klo oder aber widme mich einer vermeintlich nägelschonenden Tätigkeit wie lesen oder im Bett liegen (wird meistens zu langweilig). Es ist schlichtweg unmöglich, aber Tippen geht wie ich gerade bemerke.
Genug meditiert, ich schreite jetzt mal zur Tat und befolge die To-Do-List:

-Biomüll raus
-Anti-Schimmel-Farbe im Baumarkt kaufen (ja, ich wohne in einer Gammelbude)
-Vorstellungsgespräch-Termin vereinbaren
-Bad putzen
-Suppe kochen
-Kuchen backen
-vlt zur Bücherhalle, Bücher zum Thema "Basteln mit Senioren" ausleihen (ja, ich bastel mit Senioren)

Spießiger geht's wohl echt nicht... Naja, vielleicht ziehe ich irgendwann ja in den Busch, die Zivilisation langweilt mich gerade. Irgendwann gibt's aber kein Entkommen mehr, ich merke wie ich immer mehr in ihren lähmenden Bann des Alltags reingezogen werde. Irgendwelche Tipps für mich?
Lg


Sonntag, 23. Oktober 2016

Life Studies


Also, schlauer geworden bin ich bis jetzt nicht durch das Studieren, das empirische Forschen, das teilnehmende Beobachten, das wissenschaftliche Arbeiten. Der Spaß geht ja auch jetzt erst los. Das Akademikerdasein, lebende Coffee-To-Go's hetzen von einem Ort zum anderen, spekulieren und diskutieren, bald ist zum Glück auch Zeit für Spekulatiuskekse. Verliere mich im Labyrinth der Agora-Räume, dabei würde ich viel lieber Angorakatzen streicheln, denn unsere eigene Katze wurde von der bösen Nachbarin geklaut und mein Vater läuft Amok deswegen. Ich finde aber, Männer dürfen auch "Shoppingqueen" gucken und Gefühle zeigen. Außer wenn sie sich dabei in Selbstmitleid verstricken und völlig austicken, dass ist geschlechtsunabhängig unattraktiv und nicht förderlich, sagt auch Mister Globetrotter.
Bin umgeben von angelnden Pennern, hochtrabenden Rossreitern, trommelverrückten Salsatänzern, trendigen Hipstern, beschissenen (hatte wirklich braune Streifen hinten an der Hose!)Nazis mit Maurerdekollete, Straßenmusikern, die es gar nicht juckt wenn ich mitsinge, weil sie wie alle in ihrer eigenen Realität gefangen sind.
"Mir fehlte für ein Studium damals die Ernsthaftigkeit", finde diesen Satz grade sehr auf mich zutreffend. Werde ich dann später in Interviews über meine Biografie sagen können. Ist dann ja auch im Nachhinein immer gar nicht mehr so dramatisch.
Zielstrebigkeit, Disziplin, Wissen, Forschung, Leistungspunkte, Pflichtveranstaltungen, Anwesenheitslisten, Leistungsüberprüfung, Schriftliche Hausarbeit, Exkursionen, LEISTUNG
Weiß noch nicht, welche Art von Leistung ich erbringen möchte und nach welchem Ziel ich strebe, weiß im Gegensatz zu wissenschaftlichern Mitarbeitern und anderen Zeitgenossen nichts und trotzdem alles.
Btw Radio Hamburg am Sonntag Mittag bringt echt einen geilen Song nach dem anderen :D
Lieblingslied gerade:


                                     

Montag, 1. Februar 2016

and you're thinking this is the life

Beste Aussage, die mein Mitbewohner je von sich gegeben hat: "Ich bin eher so der Abtrockne-Typ", nachdem er meinte "Es soll ja Leute geben, die das gern machen. Ich gehöre nicht dazu." Es ging natürlich mal wieder ums Abwaschen. Was sonst? :'D
HAHA. Als würde jemand bei uns in der WG jemals abtrocken.. Wir haben ein Abtropfdingensss.. wo die Sachen so lange chilln, bis sie trocken sind.
Haben zsm Pfannkuchen gegessen und halb-politische Diskussionen geführt. Hab ihn schon n bisschen lieb, trotz mangelnder Hygiene. Und auch, obwohl er versucht,  ALLES mit seinen (manchmal nicht grade sehr plausiblen) soziologischen Theorien zu erklären.

...war auf meiner ersten Party unter neuen Leuten. Naja vielleicht wars nicht die erste, aber zumindest kannte ich keinen. Außer ein paar Leuten, die ich echt ätzend finde. Die anderen waren ganz okay. Aber eigentlich wollte ich erzählen, warum ich "Partys" kacke finde. Ich glaube es liegt vielleicht am meisten daran: Es ist Winter. Ich hab schlechte Laune. Bin nicht in Partystimmung. Hasse Menschen. Habe meine Partychicks nicht dabei auf den Partyys. Und weil dies alles grade zutrifft, fällt mir dann auf, dass Partys immer gleich ablaufen und nichts, was man tut, etwas bedeutet.
Man trifft Leute, die man noch nie zuvor gesehen hat. Das Standardgespräch...
A: "Und, woher kennst du den/die Gastegeber/in?"
B: "Aus der Schule", "von der Arbeit" "Uni", "Festival", "vom Feiern" "von Freunden"
A: "Ah, cool." Gegenfrage.. usw.

B:"Und, was machst du so?"
A: "Studiere blablabla irgendwas"
B: "Aah, cool" (Ich bin in diesem Fall Person B und heuche eigentlich immer noch etwas Interesse, nur aus Höflichkeit, d.h. weitere persönliche Fragen raushauen wie z.b. "Und in welchem Semester?" "Und, wie ist das so?" "Wie bist du darauf gekommen?" "Was willst du danach machen?" (nur für Planer, Achtung!) "Wo wohnst du?" "Was ist dein Lieblingstier?" "Willst du noch mit in mein Bett?" (warn spaß. Aber man kann doch wirklich ALLES fragen, damit sich der andere interessant fühlt. Oder halt begehrt. :'D aber auch hier ist Vorsicht geboten. Die "Bettfrage" ist bei mir schonmal schief gegangen ;))
A:(Antwort auf alle möglichen gestellten Fragen)"und du?
B: "Arbeite in einem Waldkindergarten"
A: "Ah, cool".
SChwöööre das ist dann immer die wenig interessierte Antwort meines Gegenübers. Gespräch beendet. Hab dann auch kb mehr.


Jaa okay, es können sich daraus auch interessante Gespräche ergeben. Über Haustiere, über's Skaten (auf der Party, um die es sich handelt, fand ich mein Mitbringsel plötzlich in einer heißen Diskussion über Tricks auf dem Skateboard mit einem anderen coolen Skaterboy wieder.), andere Hobbies, Träume, Beziehnungen, Weltanschauungen usw. Man kann zsm saufen, rummachen, irgendwas total Verrücktes tun. Das stimmt schon. Kann sich alles ergeben, wenn man dafür offen ist.
Bin ich aber im Moment offenbar einfach irgendwie nicht. Bzw. finde die Leute schon beim Standardgespräch (das ich am Liebsten direkt ausfallen lassen würde) schon so bescheuert, dass ich keine Lust habe, mich auf sie einzulassen und mich weiter mit ihnen zu unterhalten. Die meisten sind eh so benebelt, dass man keine intelligente Unterhaltung führen kann. So können sie sich keine Informationen merken und antworten selbst nach wiederholter Erwähnung mit ungläubigen "Echt, ist ja cooool". You know what i mean? 




liebe diese Blauheit



Samstag, 19. Oktober 2013

Nimmerland



Wir werden erwachsen. Wir fangen an, das zu tun, was alle tun. Die Dinge, die getan werden müssen, wie es scheint. Wir lernen Auto fahren. Wir arbeiten und streiten uns darum, wer am meisten verdient, wer am meisten Stress hat.
Den ganzen Tag an einem Ort sitzen, an dem wir gar nicht sein wollen. Leuten gefallen wollen, die wir nicht mal mögen. Sich von Bewertungen anderer abstempeln lassen, die mit der eigenen Vorstellung nicht übereinstimmen. Jemand sein wollen, der man gar nicht ist.
Alles genau planen und danach fein säuberlich ins Fotoalbum einkleben. Alles korrekt, die Musik bloß nicht zu laut drehen, was sollen denn die Nachbarn denken?
Auf der Suche nach dem eigenen Weg an allen anderen vorbeiziehen und nur an sich denken. Immer nur frei sein wollen.
Und am Ende merken, dass man ganz alleine ist.
Ich will nicht erwachsen werden, nie!